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Eindrücke einer Reise nach Palästina

Konzertmission in Ramallah Der hallesche Kameramann Andreas Splett beim Konzert des West Eastern-Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim, das erstmals im Kulturzentrum der palästinensischen Stadt Ramallah spielte und live bei ARTE gesendet wurde. „Es sieht so aus, als wird es doch etwas mit dem Konzert in Ramallah, ARTE will es haben“, war die kurze Mitteilung an das Team im Juli 2005 von Produktionsmanager Oliver Rieger. Noch gab es „wenn und aber“, denn: „Im Krisenfall findet das Konzert nicht statt. Endgültig entscheiden wir das wohl erst kurz vor dem Abflug nach Tel Aviv“. In dieser Sekunde sahen einige der welterfahrenen Kameraleute doch aus, als hätte man ihnen einen Eimer kalten Wasser über den Kopf geschüttet. Jahrelang fahren wir zu wunderschönen und auch wichtigen Konzerten in tolle Gegenden dieser Welt, doch nun erwartete uns das Kriegsgebiet mit Terroranschlägen, bei Einreise Befragungen vom israelischen Geheimdienst und dazu noch mit jüdischen und arabischen Musikern mitten in die palästinensische Hochburg Ramallah reisen? Jeder musste die Entscheidung für sich selbst finden, ob er mitkommt oder nicht. Ich selbst habe als Kameramann doch den Einsatz in Kriegsgebieten immer strikt abgelehnt … wieso also sollte ich mein Leben für nur ein Konzert des West Eastern-Divan Orchestra mit Daniel Barenboim aufs Spiel setzen? Außerdem habe ich doch Barenboim schon zur Genüge bei seinem Projekt von Weimar bis Genf begleitet … und von Grenzübertritten mit Stacheldraht und auf mich angelegten Gewehren hatte ich eigentlich die Nase gestrichen voll, denn ich erinnerte mich sofort an eine Reise von Ceuta nach Marokko, die sich nicht nur wegen der von der marokkanischen Armee über die Straße gespannten Reifenkiller in mein Gedächtnis gebrannt hatte. Darüber hinaus bin ich ja im Osten Deutschlands Jahrzehnte mit Schießbefehl und Toten an der innerdeutschen Grenze in einer Diktatur konfrontiert gewesen und hatte Bespitzelung durch die Stasi sowie Berufsverbot beim damaligen Ostfernsehen ertragen müssen. Und nun wieder in ein solches Gebiet reisen? Wir, die Kameraleute des Produktionsteams von EuroArts Music mussten uns damit auseinandersetzen. In den folgenden Tagen und Wochen hörten wir von Absagen. Wir hörten auch von Mitarbeitern, die bei der Vorbereitungsreise zu dieser Fernsehproduktion von israelischen Sicherheitsleuten vier Stunden bei der Einreisebefragung kommentarlos am Flughafen Tel Aviv an die Seite gestellt wurden… offenbar Willkür – oder doch Sicherheitsmaßnahme im Interesse des Staates Israel? Andere berichteten von den Detailbefragungen des israelischen Geheimdienstes, die fast jeder Einreisende über sich ergehen lassen muss. „Was machen Sie hier? Welche Bedeutung hat Ihr Name für Sie? Kennen Sie den, der da gerade läuft? Wissen Sie denn nicht welche Bedeutung Ihre deutsche Sprache für uns hat? Wieso sind Sie denn so nervös?“ Ich sah mir Bilder und Berichte von palästinensischen Selbstmordattentaten an, stöberte im Internet nach dem Thema „Nah Ost Konflikt“ und suchte nach Gesprächsmöglichkeiten, fand Elend, Hass, Terror, Ungerechtigkeit, Trauer und den Ruf nach Frieden in einem mir bislang unbekannten Territorium. Am 10. August flog ich in die Schweiz zum Luzern Festival Orchester mit Claudio Abbado – auch ein sehr schönes Event mit Livesendung aus einem sehr schönen Land. Kurz davor bekam ich eine kurze Mail von der Produktionsfirma: „Liebe Kollegen und Mitstreiter, für die Produktion in Ramallah vom 19.08.-22.08.05 benötigen wir noch folgende Informationen: - Geburtsdatum - Passnummer - Staatsangehörigkeit“. Nun ja, Formalitäten… aber noch nichts Endgültiges, denn es gibt ja überhaupt noch keine Disposition für eine Konzertsendung aus Ramallah für uns Mitarbeiter. Trotzdem ist der Koffer für Luzern dann doch voller, denn vielleicht geht es dann ja sofort weiter nach Richtung Palästina. Es wird sehr viel telefoniert während der TV-Produktion in Luzern. Der Produzent und Filmemacher Paul Smaczny und Herstellungsleiter Oliver Rieger arbeiten fieberhaft am Gelingen des Projektes, dessen Bezeichnung auf der Disposition steht, die uns am Abend nach dem letzten Konzert in Luzern übergeben wird: „Multi Camera Concert Recording and Live Transmission – West Eastern-Divan Orchestra with Daniel Barenboim. Location: Cultural Palace, Tokyo Street, Ramallah. Programm: Wolfgang Amadeus Mozart – Sinfonia Concertante, Ludwig van Beethoven – Symphony No. 5, Edward Elgar – Nimrod”. CNN überträgt live Bilder von der Räumung des Gaza Streifens … und für uns steht fest, das Konzert in Ramallah findet statt. Einige aus der Luzern-TV-Produktion fliegen nicht mit und wir anderen bekommen ein zusätzliches Schreiben der israelischen Botschaft überreicht … keiner kann es lesen, denn es ist auf Hebräisch und niemand kann uns sagen was da eigentlich drin steht. Es soll uns mehr Sicherheit bieten… toll, wie beruhigend!



18. August 2005, 9:50 Uhr, Flug Nummer LX 0254 von Zürich nach Tel Aviv über die Alpen in den Nahen Osten. Gegen 14:30 Uhr sehe ich aus dem Flieger die Küste Israels. Ein sonnenüberflutetes Gelb strahlt mir entgegen. Schöne Sandstrände … menschenleer. Ich fliege über Häuserblöcke … dazwischen Sandflächen und kein grüner Fleck, bevor die Maschine zur Landung ansetzt. Aussteigen, erste Passkontrolle. Ich winke der jungen Beamtin am Schalter mit meinem Botschaftsschreiben vor ihrer Nase herum. Sie lächelt sichtbar in sich hinein. Ist das Lächeln hämisch, spöttisch oder freundlich? Ich weiß es nicht … weiter geht es. Vor mir läuft ein Kollege vom Übertragungswagen und kommt vor mir zur nächsten Kontrollstelle. Wieder eine junge Frau, die nochmals die Pässe kontrolliert, sie sieht in seinen Pass, eine kurze Augenbewegung und sofort kommt ein Mann in Zivil und fordert den Kollegen auf, mit ihm zur Seite zu gehen. Ich schwenke wieder das Schreiben mit dem mir unbekannten Inhalt und komme ohne Probleme, wieder begleitet mit einem Lächeln der Kontrolleurin, unbehelligt durch. Die Befragung meines Kollegen dauert ungefähr 15 Minuten, der ich aus näherer Entfernung beiwohne. Die Bedeutung und die Herkunft seines Familiennamens wird erfragt … das dauert. In der Ankunftshalle des Flughafens Tel Aviv erwarten uns dann einige unbekannte Leute, die uns die Hand schüttelt … warten auf die letzten, die befragt werden. Ich rauche nervös, obwohl ich ja eigentlich keine Zigaretten mehr rauchen wollte. Dazu gehe ich vor die Tür. Mehrere mit Maschinenpistolen und Handfeuerwaffen ausgestattete Menschen bewachen mich bei der Ausübung meiner Sucht. Aber ich beruhige mich, denn nicht nur ich, sondern auch ein palästinensischer Müllmann wird genau bei seiner Tätigkeit beobachtet. Nachdem der einen Abfallbehälter entleert hatte, kam prompt die Nachkontrolle eines zivilen bewaffneten Sicherheitsmannes. Fazit: Keine Bombe im Mülleimer, dafür Sirenengeheul irgendwo in der Nähe. Ich rauche noch eine Zigarette aus der Schachtel mit der Aufschrift „Smoking kills“. Im Bus setze ich mich ganz nah hinter den palästinensischen Fahrer. Gute Sicht, gute Position fürs Fotografieren. Ein diplomatischer Mitarbeiter der deutschen Vertretung sitzt neben mir und ein Fahrzeug mit CD-Kennzeichnung fährt vor uns, Militärfahrzeuge abwechselnd hinter, neben und vor uns.

Busfahrt


Ich sehe in die Gesichter meiner Kollegen … Betroffenheit … es herrscht Ruhe während dieser Fahrt Richtung Westbank nach Ramallah. Nur der Botschaftsmitarbeiter spricht fast ununterbrochen in sein Funkgerät und gibt uns in einer Sprechpause einige kurze Hinweise: Kein Leitungswasser trinken, dieses und jenes nicht zu uns nehmen – ob das außer mir sonst noch jemand gehört hat? Die Präsenz der Gewalt ist allgegenwärtig, denn Straßensperren, Türme mit Bewaffneten, Teile abgestürzter Militärflugzeuge und Stacheldrahtzäune fliegen an unserem Busfenster vorbei. Ich sehe einen überdachten Bau ohne Wände mit durchsichtigem Drahtzaun direkt an der Straße, wo sehr viele Frauen breitbeinig im Beisein von israelischen Soldaten mit erhobenen Händen stehen. Immer wieder Siedlungen. Der Bus biegt ab nach links, die Straße wird holprig. Die Asphaltdecke ist zerrissen und hat tiefe Löcher und auf einmal ist sie vor mir, die Mauer, die palästinensische Gebiete voneinander abtrennt. Das Betongebilde ragt in den stahlblauen Himmel, dazwischen Baufahrzeuge der israelischen Armee, die das Monstrum vollenden wollen und Menschen, die versuchen von der einen Seite zur anderen zu gelangen. Noch etwas weiter stoppt der Bus vor der Einfahrt zum Diplomaten-Checkpoint. Rechts und links Betonsperren, Stacheldraht, Wachtürme mit Maschinengewehren, die auf uns gerichtet sind und bewaffnete Menschen, die uns eine gewisse Lässigkeit im Umgang mit automatischen Waffen präsentieren. Einfahrt in den Betonschlauch, ein kurzes Gespräch und ein Händeschütteln zwischen dem Diplomaten und dem Soldaten, dann eine Schlängelfahrt zwischen militärisch wohl notwendigen Betonklötzen auf der Straße und nach wenigen Kilometern fahren wir durch Ramallah. Rechts von mir steht ein Schild mit deutscher und palästinensischer Fahne vor einem großen, noch nicht fertig gestellten, Neubaugebiet: Generously Financed by the Federal Republic of Germany through the German Development Bank. Etwas weiter steht vor einem leeren Grundstück ein riesiges Werbeplakat, das mich offensichtlich auffordert, Cola zu trinken und belegte Brote mit viel Ketchup zu essen. Im Zentrum prangt ein riesiges Plakat vom palästinensischen Motorradklub mit einem Porträt von Arafat. Aha, er fuhr auch Motorrad …? Die bewaffneten Menschen im palästinensischen Gebiet sehen jetzt anders aus. Ihre Uniformen sind schwarz, doch ihr Finger befindet sich ebenfalls direkt am Abzug. Von meinen Kollegen im Bus hat immer noch keiner seine Mine verändert. Grand Park Hotel … aussteigen, einchecken. Die Zimmer sind gut eingerichtet, aber das unaufhörliche Brummen eines Dieselmotors ist fast unerträglich. Die eigene Stromversorgung dieses Hauses im Krisengebiet bringt das nun mal mit sich, dass die Wände Tag und Nacht vibrieren. Sonnenuntergang in Ramallah und ich gehe durch die Stadt. Romantische Sonnenuntergangs-Bilder entstehen. Es knallt, ein paar Schüsse sind zu hören, die Menschen sehen mich auf der Straße teils verständnislos, teils freundlich in dieser touristenfreien Stadt an. Die Schüsse scheinen niemanden sonderlich zu beeindrucken. Ein Araber spricht mich an. Sehr einfühlsam fragt er mich woher ich komme und wohin ich wolle. Ohne zu zögern bot er mir an, mich ins Hotel zu fahren … landeten dann aber doch, nachdem er mein Einverständnis eingeholt hatte, in seinem kleinen Cafe. Bei Musik von Frank Sinatra erzähle er mir von sich, von seiner Familie und von seinen Problemen – von den palästinensischen Problemen. Paul der New Yorker mit tiefen familiären Wurzeln in Palästina und einem Pass, ausgestellt in den USA, muss alle drei Monate das Land verlassen, da er keine ständige Aufenthaltsgenehmigung bekommt, obwohl er hier mit einer Palästinenserin verheiratet ist und auch Kinder hat. Ich fragte Paul nach den Schüssen. Er zuckte nur die Schultern. „Hier in Ramallah bist du sicher“, sagte er mir. Man könne mich ja auch nicht mit einem Israeli verwechseln, denn die kämen ja hier gar nicht hinein. Die Mitglieder bewaffneter Gruppen in der Stadt wüssten schon, auf wen sie schießen und, so versicherte er mir, die können sehr gut zielen und treffen wirklich nur den, den sie treffen möchten. Die letzten Israelis, zwei israelische Soldaten, die sich in dieses Gebiet im November 2000 verirrt hatten wurden festgenommen, von einer aufgebrachten Menge aus dem Gefängnis gezerrt und vor laufenden Kameras von palästinensischen Extremisten gelyncht. Irgendwie bekam ich einen allergischen Anfall, konnte nicht mehr aus den Augen sehen und Paul, mein amerikanisch-arabischer Gastgeber besorgte mir Medikamente und fuhr mich ins Hotel zurück. Am nächsten Tag gleicht der Kulturpalast, in dem das Konzert stattfinden soll, einer militärischen Festung. Ich schlüpfe zusammen mit meinen Kollegen an hoch bewaffneten Militärs vorbei ins Innere des Gebäudes. Ein lebensgroßes Foto vom winkenden Arafat empfängt uns und die Musiker aus Israel. Alle Orchestermusiker waren, ausgestattet von der spanischen Regierung, mit Diplomatenpässen und Sicherheitslimousinen nach Ramallah gekommen. Die erste Regiebesprechung unter der Leitung des Regisseurs Michael Beyer versucht uns wieder in unsere Fernseh-Normalität zurückzubringen. Kamerapositionen, Details der Schnittlisten, Live-Modalitäten und Streitereien um Sendeinhalte zwischen den Palästinensern und den TV-Produzenten werden besprochen. Letzteres könne noch zum Abbruch der Livesendung führen. Ach ja, da war ja auch noch die Musik … Die 5. Symphonie von Beethoven, Mozart und auch Elgar … alles klar, Routinearbeit für die Kameracrew. Kameraprobe: Die Musiker setzen sich. Ich muss einiges korrigieren, denn ich sitze mit meiner Kamera 1 mitten im Orchester vor dem Dirigenten. Da muss um jeden Zentimeter mit den Musikern gefeitet werden – egal, ob Araber oder Jude. Dann kommt Daniel Barenboim, er sieht sehr angespannt aus und irgendwo im Tumult im Saal klingeln Handys. Sehr deutlich wendet er sich an alle und sagt er würde jeden aus dem Saal befördern, dessen Handy klingelt – das gelte genauso für jüdische wie für arabische Handyinhaber. Ruhe. Er hebt die Hände … Sinfonia Concertante … Ich denke, dass mir erst in diesem Augenblick die Dimension dieses Projektes bewusst wurde und ich musste mich gar nicht auf meine Arbeit konzentrieren, denn die Musik und die Tatsache von wo aus sie erklang, ließ mich die Bilder zeigen, die so überaus wichtig waren. Hier musizierten zusammen Kinder von Männern, die gegeneinander gekämpft hatten. Ich saß nicht nur mitten in einem Orchester, sondern mitten in erlebter Geschichte von Menschen aus jüdischen und arabischen Ländern. In der Pause verlasse ich die ummauerte Sperrzone des Kulturpalastes nicht, sehe und erlebe die jungen Musiker. Um sie herum patrouillieren bewaffnete palästinensische Wachleute auf einem kleinen Stück Wiese innerhalb des gesicherten Komplexes. Richtung Süden ist deutlich die Silhouette Jerusalems zu erkennen.



Das sind nur wenige Kilometer von Ramallah bis Jerusalem, doch dazwischen liegt das militärische Sperrgebiet mit der Bezeichnung „C“… Sperranlagen und die Mauer. In Gesprächen erfahre ich, dass einige der israelischen Musiker ihren Eltern gar nicht erst sagten, dass sie in palästinensisches Gebiet fahren, denn sie hätten das nie erlaubt. Viele aus dem Orchester hatten große Angst nach Ramallah zu reisen, doch das Vertrauen zu Daniel Barenboim ist sehr groß. Die Sicherheitssituation ist in diesem Moment sehr angespannt. Die bewaffneten Bewacher beobachten und nehmen zu keiner Sekunde den Finger vom Abzug ihrer MPs, denn sie rechnen mit Übergriffen militanter palästinensischer Gruppierungen. In diesem Moment steht ein israelischer Musiker auf und fordert einige der zivilen Sicherheitsleute zu einem Backgammon Spiel auf. Man redet miteinander, spielt und lacht … welch friedlicher Dialog in dieser bizarren Situation. Gegen 19:30 Uhr Ortszeit steht die Entscheidung für die Livesendung auf ARTE, stand by for Livetransmission. Im Dialog der Verantwortlichen hat man sich doch wegen der umstrittenen Wortbeiträge in der Sendung einigen können. Der Saal des Kulturzentrums ist überfüllt. Prominente und weniger Prominente sitzen teilweise auch auf den Gängen. Karten gab es nur auf Einladung und aus Sicherheitsgründen wurde die örtliche Presse erst sehr spät von diesem sensationellen Ereignis informiert. Sabine Koch, die Aufnahmeleiterin kämpft, teils vergeblich, um den Platz der Moderatorin Lilli Gruber vor der Kamera im oberen Teil des Saales. 3, 2, 1 ab! Die Sendung beginnt mit Bildern aus der Stadt, der Anmoderation und dem Auftritt des Orchesters. Daniel Barenboim tritt auf, die Zuschauer stehen auf und applaudieren, Schnitt auf Kamera 1 und ich zeige die Angespanntheit und Konzentration des Maestros. In diesem Moment geht das Licht aus … Stromsperre … Sekunden nur, die mir wie eine Ewigkeit vorkommen. Der Strom ist wieder da, das Licht an und Barenboim lächelt, hebt den Taktstock und die Sinfonia Concertante von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt. Barenboims Mission für den Frieden hat seinen jetzigen Höhepunkt in der 5. Symphonie von Ludwig van Beethoven vor vollem Haus im palästinensischen Ramallah gefunden und setzt als Zugabe mit Nimrod von Edward Elgar das I-Tüpfelchen auf diesen sensationellen, mutigen und mit minutenlangen stehenden Ovationen bedachten Konzertevent. Der israelische Soldat mit schusssicherer Weste, Maschinenpistole, Stahlhelm und dunkler Sonnenbrille winkt am Checkpoint unserem Bus zu, aus der wartenden Schlange nach vorn zu fahren, vorbei an einem palästinensischen Krankenwagen, der nicht passieren darf, aber auch nicht kontrolliert wird.

Soldat


„Na, wie war das Konzert?“, fragt er mich, nachdem er einen Fuß in das Fahrzeug gestellt hatte. „Und wie hat es euch in diesem Ramallah gefallen?“, fügt er lächelnd hinzu. Ich versuche zu antworten, spreche von diesem Ereignis und dass ich lange über die hiesige Situation nachdenken muss. „Ich meine ja nur wie das Wetter war“, antwortet er darauf, winkt dem Fahrer zu und wir passieren mit nachdenklichen Gesichtern Richtung Flughafen. Andreas Splett
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